Frankenpost 27.04.2010: PEKiP fördert das intensive Wahrnehmen und den Austausch von Erfahrungen
Hof - Mit einem herzlichen "Hallo" begrüßt Jana Terton, Heilpädagogin, Physiotherapeutin und PEKiP-Kursleiterin, die ankommenden Eltern mit ihren Babys, "...sucht euch einen Platz, dann könnt ihr eure Kinder schon mal ganz langsam ausziehen!".
Der Raum ist wohlig warm, auf dem Boden liegen weiche Isomatten, in der Mitte steht ein Korb mit Bällen, Tüchern und Schüsseln.
Charlotte, sieben Monate, schaut sich neugierig um, dreht sich gleich um auf den Bauch und beobachtet die ebenfalls sieben Monate alte Helen, die neben ihr liegt. Helen liegt auf dem Rücken und macht eine Brücke, sie stützt sich dabei nur auf dem Kopf und den Füßen ab. Silas, vier Monate, weint ein wenig beim Ausziehen, ihm scheint die Sache noch nicht geheuer.
Alle sind da, die Babys liegen nackt im Kreis, schon geht's also los. Zunächst wird ein Begrüßungslied für die Kleinen gesungen. Danach verteilt Jana kleine, runde Plastikbälle mit großen Löchern an die Babys. Silas, sichtlich aufgetaut, greift gleich den Ball und steckt ihn in den Mund; Alisa versucht, ihn von einer Hand in die andere zu nehmen; Helen wirft den Ball davon, er rollt quer durch den Raum.
Jana sitzt zwischen den Eltern und gibt ab und zu Ratschläge: Silas dreht sich zwar recht zackig auf den Bauch, aber immer nur rechts herum. "Versuch es doch einmal mit einem Keilkissen, vielleicht schafft er es dann auch links herum", rät die Kursleiterin Silas' Vater.
Etwas später verteilt sie kleine Edelstahlschüsseln, in denen jeweils eine Holzkugel liegt, dazu reicht sie einen hölzernen Kochlöffel. Justus, fünf Monate, greift sofort nach der Kugel, hält sie fest in den Händen und betrachtet sie genau. Eva, sechs Monate, dreht die Schüssel um und klopft kräftig mit dem Kochlöffel drauf herum. Helen hält sich zurück. Sie liegt ganz ruhig da und beobachtet Eva dabei.
Danach kommen die Kleinen wieder näher zusammen: Jana legt eine Luftmatratze in die Mitte des Raumes. Darauf verteilt sie Igelbälle, eine zerknitterte Goldfolie, eine größere Plastikkette und Klammern an einer Schnur. Nun zeigt sie den Eltern, wie sie ihre Babys hinlegen können: Mit dem Oberkörper auf der Matratze, mit der Hüfte auf dem Boden. "Das unterstützt die Haltung, die Muskulatur wird spielerisch trainiert", klärt sie auf. Charlotte liegt gegenüber von Silas, beide greifen begeistert nach der Glitzerfolie.
Bevor die Stunde vorbei ist, werden die Kleinen noch einmal zusammen in einen kleinen Kreis gelegt. Die Eltern bewegen zusammengebundene, farbige Tücher langsam über ihnen auf und ab. Daumen lutschend, die Hände in der Luft streckend oder einfach nur ganz still liegend, beobachten die Babys, wie die Tücher immer wieder auf sie zukommen und sich wieder entfernen.
Zum Schluss gibt es noch ein Lied: "Alle Leut', alle Leut' gehen jetzt nach Haus'...". Alisa hat Hunger, ihre Mutter füttert sie in Ruhe, bevor beide gehen. Silas schläft noch beim Anziehen selig ein. Spaß gemacht hat es offensichtlich allen - den Eltern und den Babys.

Die Babys sind beim PEKiP-Kurs üblicherweise nackt. So können sie sich besser bewegen und haben einen Hautkontakt zu ihren Eltern.
Foto: mh
Was ist PEKiP?Dahinter verbirgt sich Prager-Eltern-Kind-Programm. Der Prager Psychologe Dr. Jaroslav Koch entwickelte Spiel-, Bewegungs- und Sinnesanregungen für Babys; die Psychologin Christa Ruppelt und der Sozialwissenschaftler Hans Ruppelt entwickelten daraus in den 1970-er Jahren ein Gruppenprogramm für Eltern. Von der vierten oder sechsten Lebenswoche bis zum ersten Lebensjahr treffen sich sechs bis acht Eltern mit ihren Babys einmal in der Woche für 90 Minuten. Begleitet von einer Kursleiterin findet dabei ein intensiver Erfahrungsaustausch zwischen den Eltern über die Erlebnisse mit ihren Kleinen statt. Die Babys sind üblicherweise nackt beim Kurs. So können sie sich besser bewegen und haben intensiven Hautkontakt zu ihren Eltern. Die spielerischen Elemente fördern die Wahrnehmung, die Bindung zwischen den Eltern und ihren Babys kann durch PEKiP vertieft werden. Außerdem bekommen die Kleinen den ersten Kontakt zu Gleichaltrigen. PEKiP-Kurse gibt es in über 1800 anerkannten Institutionen in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Liechtenstein und Luxemburg. In Hof werden Kurse von der Casa Montessori angeboten: |

